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Archäologie Vorderasiens und des Mittelmeerraumes

Titelbild

Uzunoğlan Tepesi

Im Rahmen des Kilikien-Surveys der Universität Istanbul (geleitet von Prof. Mustafa Hamdi Sayar) untersucht ein Team der Universität Bern die Ruinen auf dem Uzunoğlan Tepesi nahe des Dorfes Ferhatlı (9 km nordöstlich von Kozan). Die Aufnahme der Baustrukturen war Teil 2009 des internationalen Workshops „Nicht-invasive Techniken in der archäologischen Feldforschung“, die von der Mittelbauvereinigung der Universität Bern (MVUB) gefördert wurde. 2010 wurde eine zehntägige Bauforschungskampagne durchgeführt, die von der Fondation Johanna Dürmüller-Bol und der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Bern unterstützt wurde.

Der Uzunoğlan Tepesi bildet einen der südlichen Ausläufer des Anti-Taurus und erhebt sich circa 670 m über die südlich von ihm gelegene Çukurova-Ebene. Auf dem Hügelplateau haben sich archäologische Monumente ganz verschiedener Epochen erhalten: Den ältesten Befund bildet ein assyrisches Felsrelief, das ins 9. Jahrhundert datiert. In der römischen Kaiserzeit (wohl zur Mitte des 2. Jahrhunderts) wurde nur knapp zehn Meter davon entfernt ein tetrastyler Prostylos errichtet, der in der byzantinischen Epoche in eine Festungsanlage integriert wurde. Den jüngsten Baumkomplex stellt wohl ein Wehrturm auf der Hügelspitze östlich des Felsreliefs dar, der vermutlich aus armenischer Zeit stammt. Der gesamte Baubefund ist bisher – bis auf einen kurzen Vorbericht von Taşyürek 1974 – unpubliziert geblieben

Trotz seiner späteren Integration in die mittelalterlichen Wehrbauten präsentiert sich der kaiserzeitliche Tempel in einem sehr guten Erhaltungszustand. In der gut erhaltenen westlichen Aussenmauer sind noch heute die Reste von vier Altären bzw. Stelen erhalten, die direkt in das Quadermauerwerk integriert waren. Alle vier Säulen sind noch – wenn auch nicht in voller Höhe – in situ vorhanden. Sie erhoben sich in der Antike unmittelbar oberhalb einer über sieben Meter hohen Stützmauer aus Opus Caementitium, so dass der Bau eine enorme Fernwirkung erzielte.

Im Jahre 2010 konnten zahlreiche Bauglieder (u.a. Architrav-, Fries und Simablöcke, aber auch Kapitelle und Konsolen) aufgenommen werden. Außerdem wurde die Baustrukturen im direkten Umfeld des Kultbaues untersucht. Derzeit ist eine erste Rekonstruktion des Baues und seiner Umgebung in Arbeit. Die Arbeiten sollen 2011 mit einer Untersuchung des restlichen Hügelareals und Detailuntersuchungen fortgesetzt werden.

Projektteam:

  • Prof. Dr. Mustafa Hamdi Sayar
    (Universität Istanbul, Leitung des Gesamtsurveys in Kilikien, Epigraphik)
  • Ralph Rosenbauer
    (Universität Bern, lokale Surveyleitung, Hellenistische und Römische Epoche)
  • Susanne Rutishauser
    (Universität Bern, stellvertrende lokale Surveyleitung, Neuassysrische Epoche)

  • Fırat Güngör
    (Regierungsvertreter 2009, Museum Provinz Mersin)
  • Murat Kalas
    (Regierungsvertreter 2010, Museum Eski Anamur)

  • Gino Caspari
    (Student und Hilfsassistent der Universität Bern 2010)
  • Ipek Dagli
    (Studentin der Universität Istanbul, 2009)
  • Zora Grossen
    (Studentin und Hilfsassistentin Universität Bern, 2009 + 2010)
  • Daria Holenstein
    (Studentin der Universität Basel und Hilfsassistentin Universität Bern, 2010)
  • Esen Kaya
    (Studentin der Universität Istanbul, 2009)
  • Kasia Langenegger
    (Studentin und Hilfsassistentin der Universität Bern, 2009)
  • Gürkan Öztürk
    (Student der Universität Istanbul, 2009)
  • Reyhan Sahin
    (Studentin der Universität Istanbul, 2009)
  • Reto Witschi
    (Student und Hilfsassistent der Universität Bern 2010)
  • Jacqueline Lauper
    (Studentin und Hilfassistentin Universität Bern, verantwortlich für Umzeichnungen 2009)
  • Martina Aeschlimann-Langer
    (Studentin der Zürcher Hochschule der Künste, Praktikantin an der Uni Bern, verantwortlich für Umzeichnungen und Rekonstruktionen 2010)
  • Johnathan Gerber (Student Universität Bern, verantwortlich für Erstellung der Höhenmodelle des Hügels)

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Virtual Cilicia Project

Eine Übersicht über die Feldforschungsprojekte am IAW Bern im Ebenen Kilikien ist nun neu auch in Google Earth abrufbar.